← Journal
RegulierungKonformität

EU MDR erklärt: Was Medizinproduktehersteller und -lieferanten 2026 wissen müssen

12. Mai 2026

Die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR, Verordnung 2017/745) ist die bedeutendste regulatorische Änderung in der Geschichte der europäischen Medizinprodukteindustrie. Ob Sie Hersteller, Händler oder Beschaffungsteam sind, das auf Krankenhausausschreibungen antwortet — das Verständnis der EU MDR ist keine Option mehr, sondern die Grundvoraussetzung für den Marktzugang in 27 EU-Mitgliedstaaten plus dem EWR.

Was ist die EU MDR?

Die EU MDR hat die Medizinprodukterichtlinie (MDD 93/42/EWG) und die Richtlinie über aktive implantierbare medizinische Geräte (AIMDD 90/385/EWG) abgelöst. Sie führt eine grundlegend andere Regulierungsphilosophie ein: Anstatt sich auf die Selbsterklärung der Hersteller mit begrenzter Aufsicht durch Benannte Stellen zu verlassen, verlangt die MDR umfassende klinische Evidenz, Lebenszyklusrückverfolgbarkeit und proaktive Überwachung nach dem Inverkehrbringen.

Wesentliche Änderungen von der MDD zur MDR:

  • Strengere Anforderungen an klinische Evidenz — Klinische Bewertungen müssen auf ausreichenden klinischen Daten basieren, wobei klinische Prüfungen häufiger erforderlich sind
  • Einheitliche Produktidentifizierung (UDI) — Jedes Produkt muss eine UDI zur Rückverfolgbarkeit vom Hersteller bis zum Patienten tragen
  • EUDAMED — Zentralisierte europäische Datenbank für Produktregistrierung, Zertifikate, klinische Prüfungen und Vigilanz
  • Erweiterter Geltungsbereich — Bestimmte ästhetische und nicht-medizinische Produkte fallen nun unter die MDR
  • Verstärkte Überwachung nach dem Inverkehrbringen — Verpflichtende Pläne zur klinischen Nachbeobachtung nach dem Inverkehrbringen (PMCF) und Periodische Sicherheitsberichte (PSUR)
  • Person, die für die Einhaltung der Regulierungsvorschriften verantwortlich ist (PRRC) — Hersteller müssen eine qualifizierte Person benennen

Klassifizierung von Medizinprodukten nach EU MDR

Die MDR klassifiziert Medizinprodukte in vier Risikoklassen anhand von 22 Regeln in Anhang VIII:

KlasseRisikostufeBeispieleKonformitätsbewertung
Klasse INiedrigsteVerbände, Rollstühle, StethoskopeSelbsterklärung (außer Is, Im, Ir)
Klasse IIaMittelHörgeräte, chirurgische Klemmen, UltraschallsondenBenannte Stelle erforderlich
Klasse IIbMittel-hochBeatmungsgeräte, Infusionspumpen, RöntgengeräteBenannte Stelle erforderlich
Klasse IIIHöchsteHerzimplantate, Hüftprothesen, Arzneimittel-Produkt-KombinationenBenannte Stelle + klinische Sonderprüfung

Wichtig: Einige Produkte, die unter der MDD als Klasse I eingestuft waren, wurden unter der MDR höher klassifiziert. Wiederverwendbare chirurgische Instrumente (Klasse Ir), Produkte mit Messfunktion (Klasse Im) und sterile Klasse-I-Produkte (Klasse Is) erfordern nun die Beteiligung einer Benannten Stelle für bestimmte Aspekte der Konformitätsbewertung.

Konformitätsbewertung nach MDR

Um ein Medizinprodukt auf dem EU-Markt in Verkehr zu bringen, müssen Hersteller ein Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen und die CE-Kennzeichnung anbringen. Das Verfahren variiert je nach Produktklasse:

  1. Technische Dokumentation — Umfassende Dokumentation zu Design, Herstellung, Risikomanagement, klinischer Bewertung und Kennzeichnung (Anhänge II und III)
  2. Qualitätsmanagementsystem — ISO 13485-konformes QMS über den gesamten Lebenszyklus
  3. Klinische Bewertung — Systematische Überprüfung klinischer Daten zum Nachweis von Sicherheit und Leistung (Anhang XIV)
  4. Audit durch Benannte Stelle — Für Klasse IIa und höher prüft eine Benannte Stelle die technische Dokumentation und auditiert das QMS
  5. EU-Konformitätserklärung — Formelle Erklärung des Herstellers, dass das Produkt die MDR-Anforderungen erfüllt
  6. UDI-Zuweisung und EUDAMED-Registrierung

UDI: Einheitliche Produktidentifizierung

Das UDI-System ist eine der wirkungsvollsten Anforderungen der MDR. Jedes Medizinprodukt muss Folgendes tragen:

  • UDI-DI (Device Identifier) — Identifiziert das Produktmodell und den Hersteller
  • UDI-PI (Production Identifier) — Identifiziert die spezifische Produktionseinheit (Charge, Seriennummer, Verfallsdatum, Herstellungsdatum)

UDIs müssen auf Produktetiketten, Verpackungen und in einigen Fällen auf dem Produkt selbst erscheinen (Direktkennzeichnung bei Implantaten und wiederverwendbaren Produkten). Die UDI-DI ist der Schlüssel für die EUDAMED-Registrierung und ermöglicht die durchgängige Rückverfolgbarkeit.

EUDAMED: die europäische Datenbank

EUDAMED wird in Phasen bereitgestellt:

  • Modul zur Akteurregistrierung — in Betrieb (Hersteller, Bevollmächtigte, Importeure)
  • UDI-/Produktregistrierungsmodul — in Betrieb
  • Modul für Benannte Stellen und Zertifikate — in Betrieb
  • Modul für klinische Prüfungen — wird eingeführt
  • Vigilanz-Modul — wird eingeführt
  • Marktüberwachungsmodul — in Entwicklung

Bis alle Module voll funktionsfähig sind, gelten Übergangsbestimmungen. Die Richtung ist jedoch klar: EUDAMED wird die zentrale Informationsquelle für regulatorische Daten zu Medizinprodukten in Europa.

EU MDR vs. FDA: wesentliche Unterschiede

AspektEU MDRFDA (USA)
MarktzulassungCE-Kennzeichnung durch Konformitätsbewertung510(k), PMA oder De Novo
VergleichsproduktKein Konzept eines VergleichsproduktsWesentliche Gleichwertigkeit mit Vergleichsprodukt
Benannte Stelle / Dritte ParteiErforderlich ab Klasse IIaDrittprüfung für einige Klasse-II-Produkte
Klinische EvidenzKlinische Bewertung für alle Klassen obligatorischKlinische Daten für PMA erforderlich; oft nicht für 510(k)
Überwachung nach dem InverkehrbringenPMCF + PSUR verpflichtendPost-Market-Anforderungen variieren je nach Zulassungsweg
RückverfolgbarkeitUDI für alle Produkte verpflichtendUDI für die meisten Produkte verpflichtend
DatenbankEUDAMEDGUDID + MAUDE

Für Unternehmen, die in beiden Märkten tätig sind, ist das Verständnis dieser Unterschiede entscheidend. Ein Produkt mit FDA 510(k)-Zulassung qualifiziert sich nicht automatisch für den EU-Marktzugang — eine separate MDR-Konformitätsbewertung ist erforderlich.

Auswirkungen der EU MDR auf Ausschreibungen für Medizinprodukte

Wenn Sie auf Krankenhausausschreibungen in der EU antworten, ist die MDR-Konformität mittlerweile eine Grundvoraussetzung. Folgendes prüfen Beschaffungsteams:

  • EU-Konformitätserklärung — Muss auf MDR 2017/745 verweisen, nicht auf MDD. Alte MDD-Erklärungen sind ein Warnsignal.
  • Zertifikat der Benannten Stelle — Muss von einer derzeit unter MDR benannten Stelle stammen, mit korrektem Anhangverweis
  • UDI — Wird zunehmend in Ausschreibungsantworten zur Produktidentifikation und Rückverfolgbarkeit verlangt
  • EUDAMED-Registrierung — Registrierungsnachweis, wo zutreffend
  • SSCP — Zusammenfassung über Sicherheit und klinische Leistung für Klasse-III- und implantierbare Produkte
  • PMCF-Plan — Nachweis der laufenden klinischen Nachbeobachtung

Viele EU-Krankenhäuser behandeln die MDR-Konformität mittlerweile als Ausschlusskriterium und nicht als Bewertungskriterium. Wenn Ihre Dokumentation noch auf die MDD verweist, kann Ihr Angebot sofort abgelehnt werden.

MedStratos Ausschreibungsautomatisierung überprüft den Regulierungsstatus automatisch über EU MDR und 13 weitere regulatorische Rahmenwerke, sodass Ihr Angebot niemals mit veralteter Konformitätsdokumentation eingereicht wird.

Zeitplan: Wo stehen wir 2026?

  • Mai 2021 — MDR wurde vollständig anwendbar (nach COVID-bedingter Verschiebung von Mai 2020)
  • Mai 2024 — Übergangsverordnung für Bestandsprodukte verabschiedet
  • Dezember 2027 — Frist für den Übergang von Bestandsprodukten der Klasse III und IIb (implantierbar)
  • Dezember 2028 — Frist für verbleibende Bestandsprodukte der Klasse IIa und IIb
  • 2026 (jetzt) — Alle neuen Produkte müssen MDR-zertifiziert sein. Die Kapazitäten der Benannten Stellen bleiben begrenzt. Frühzeitige Vorbereitung verschafft Vorteile bei der Ausschreibungsberechtigung.

MDR-Readiness für Ausschreibungen

Drei Schritte, um sicherzustellen, dass Ihre Ausschreibungsantworten den EU-MDR-Anforderungen entsprechen:

  1. Dokumentation prüfen — Ersetzen Sie alle verbleibenden MDD-Verweise durch MDR-Äquivalente. Aktualisieren Sie Konformitätserklärungen, technische Dokumentationen und Kennzeichnungen.
  2. Status der Benannten Stelle überprüfen — Stellen Sie sicher, dass Ihre Benannte Stelle unter MDR (nicht nur unter MDD) benannt ist. Prüfen Sie die Gültigkeitsdaten der Zertifikate und die Anhangabdeckung.
  3. Konformitätsprüfung automatisieren — Nutzen Sie Tools, die den Regulierungsstatus automatisch abgleichen, damit veraltete Konformitätsdaten niemals in eine Ausschreibungseinreichung gelangen.

Buchen Sie eine Demo, um zu sehen, wie MedStrato die EU-MDR-Konformität in Echtzeit während der Ausschreibungsbearbeitung überprüft.

Häufige Fragen

EU MDR erklärt

What is the EU MDR?

The EU Medical Device Regulation (MDR, Regulation 2017/745) is the European Union’s comprehensive regulatory framework for medical devices. It replaced the Medical Device Directive (MDD 93/42/EEC) and the Active Implantable Medical Device Directive (AIMDD 90/385/EEC). The MDR introduces stricter requirements for clinical evidence, post-market surveillance, traceability via Unique Device Identification (UDI), and a centralized European database (EUDAMED).

When did the EU MDR take full effect?

The EU MDR entered into force on May 25, 2017 and became fully applicable on May 26, 2021 after a one-year COVID-related delay. Extended transition periods for legacy devices (those with valid MDD certificates) were granted through 2027–2028, depending on device classification. As of 2026, all new devices must be MDR-certified, and the remaining MDD certificates are expiring.

How are medical devices classified under the EU MDR?

The EU MDR classifies medical devices into four risk classes: Class I (lowest risk, e.g., bandages), Class IIa (medium risk, e.g., hearing aids), Class IIb (medium-high risk, e.g., ventilators), and Class III (highest risk, e.g., cardiac implants). Classification follows 22 rules in Annex VIII based on the device’s intended purpose, duration of use, invasiveness, and active/non-active nature. Higher classes require more rigorous conformity assessment by a Notified Body.

What is the difference between EU MDR and FDA 510(k)?

The EU MDR is a comprehensive regulatory framework covering the entire lifecycle of a medical device in Europe, while the FDA 510(k) is a specific premarket submission pathway in the US demonstrating substantial equivalence to a predicate device. Key differences: MDR requires Notified Body involvement for Class IIa and above (vs. FDA self-certification for many Class II devices); MDR mandates post-market clinical follow-up (PMCF) plans; MDR requires UDI on all devices; and MDR has no predicate device concept — each device must independently demonstrate safety and performance.

What is EUDAMED and is it mandatory?

EUDAMED (European Database on Medical Devices) is the EU’s centralized IT system for medical device registration, UDI assignment, Notified Body certificates, clinical investigations, vigilance reporting, and market surveillance. Full EUDAMED registration is becoming mandatory in phases. The UDI/device registration module and the Notified Body/certificate module are operational. Until all modules are fully functional, some registration requirements remain under transitional provisions.

How does EU MDR affect medical device tenders?

EU MDR significantly impacts tender responses: procurement teams now require EU Declaration of Conformity referencing MDR (not MDD), valid Notified Body certificates with specific Annex references, UDI numbers for product identification, EUDAMED registration proof, Summary of Safety and Clinical Performance (SSCP) for Class III and implantable devices, and evidence of post-market surveillance systems. Tenders issued by EU hospitals increasingly include MDR compliance as a pass/fail criterion rather than a scoring factor.

Verwandte Artikel

Ihre nächste Ausschreibung
ist am Freitag fällig.

Dreißig Minuten. Fünfzig Ihrer Positionen, live abgeglichen, gegen Ihre echte Ausschreibung.

Zugang anfordernMit einem Gründer sprechen